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Storytelling II: Hans im Glück – von der Leichtigkeit des Seins

hansMeine erste Hauptrolle im Märchentheater gibt mir die Chance, dieser altbekannten Grimmschen Figur auf den Grund zu gehen. Was hat es eigentlich genau auf sich mit diesem Hans? Ich habe gehört, es sei eine alte Sufi-Geschichte und eine Story, die man auch im Business erzählen kann.

“Was aber soll dieser Trottel, der sich ständig über´s Ohr hauen lässt und nur heim zu seiner Mama will, schon hergeben für eine nützliche Metapher?” So dachte ich zuerst…

Erster Versuch: Weniger ist mehr – so könnte die Moral von der Geschichte lauten.
Das würde passen: Gold gegen Pferd eingetauscht, Pferd gegen Kuh gegen Schwein gegen Gans gegen Stein plumpst in Brunnen: alles weg.
Wäre als Botschaft aber etwas eindimensional. Wir wissen, dass Mythen immer etwas mehr zu sagen haben.

Forschen wir also noch etwas weiter…

Unternehmensberater Dr. Friedrich Assländer hat die Geschichte ziemlich gründlich analysiert und ist in seinem Aufsatz Hans im Glück – ein Märchen für Manager zu folgenden Ergebnissen gekommen:

Das Märchen „Hans im Glück“ erzählt von einer Sehnsucht, wie sie heute von vielen Menschen erlebt wird.  Menschen  stehen plötzlich vor der Frage nach dem Sinn ihres Lebens.

Sie entdecken irgendwann, dass die materielle Welt und ihre Werte wie Reichtum, Sicherheit, Ansehen u. a. nicht alles sind. Es muss noch mehr geben. Diese Sehnsucht ist der Motor, der uns antreibt, weiter zu gehen, nicht auszuruhen.

Genau davon berichtet das Märchen.”

Übersetzen wir mal die Bilder:

  • Heim zur Mutter”: zurück zu den Wurzeln, zu einer spirituellen, geistigen Heimat.
  • Der Goldklumpen als Lohn für 7 Jahre Dienst: materieller Erfolg stellte sich ein durch seinen Beitrag, den er mit Hingabe geleistet hat (“war stets aufmerksam und fleißig”). Nach 7 Jahren ist ein/ dieser Lebensabschnitt vollendet, es folgt der “Ruf”, dem Leben eine Wendung zu geben.
  • Der Goldklumpen wird zu schwer: Reichtum und Macht, die Sorge ums Geld sind belastend und hinderlich auf einem geistig-spirituellen Weg.
  • Hofft auf Erleichterung durch das Pferd – und wird abgeworfen: Es gibt keine Abkürzungen auf dem Weg des persönlichen Wachstums.
  • Hofft auf Milch von der Kuh – und bekommt einen mächtigen Tritt: Sein Wunschtraum von einer bequemen Reise wird ein weiteres Mal unsanft beendet.

Der Abschied von Gewohnheiten, Denkmustern, Lebenskonzepten, wesentliches Merkmal eines geistigen Weges, ist oft schmerzhaft – schmerzhaft, weil wir festhalten und erst loslassen können, wenn es sehr weh tut.
(
F. Assländer, Hans im Glück – ein Märchen für Manager).

Wie wahr!

Erst als er alles losgeworden ist, der letzte Stein in den Brunnen gefallen ist, da dämmert es ihm.

…als Hans sie (die Schleifsteine) mit seinen Augen in die Tiefe hatte versinken sehen, sprang er vor Freuden auf, kniete dann nieder und dankte Gott mit Tränen in den Augen, dass er ihm auch diese Gnade noch erwiesen und ihm auf eine so gute Art … von den schweren Steinen befreit hätte, die ihm allein doch hinderlich gewesen wären. `So glücklich wie ich`, rief er aus, `gibt es keinen Menschen unter der Sonne.`
Mit leichtem Herzen und frei von aller Last sprang er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter war.“ (Originaltext)

 

Marcuse_Philosophie_dGlücks Ludwig Marcuse formuliert die Erkenntnis unseres Helden in seiner Philosophie des Glücks:

„… man besitzt das Glück weder im Gold noch im Schwein noch im Stein. Vieles kann einen glücklich machen; aber kein Gut macht einen glücklich in jeder Beziehung.“

Die Buddhisten nennen es das Nicht-Anhaften an den Dingen.

 Das Thema ist immer aktuell. Inzwischen “amtlich”, das Ministerium für Glück und Wohlbefinden ist derzeit mit einer Crowdfunding-Kampagne auf Startnext präsent.

Mein Fazit: die Geschichte vom Hans im Glück liefert starke Storytelling-Bilder zum Thema Lebensglück und die Leichtigkeit des Seins. Nur der ist glücklich, der dankbar sein kann, für das was er hat.
Am 24. Mai ist übrigens Premiere im Galli Theater (siehe da).