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Achtung Gelegenheit!

Der Tag ist voll von guten Gelegenheiten und Versuchungen. Der Mensch liebt Streicheleinheiten in Form von schnellen Belohnungen und neigt außerdem zur Vereinfachung. Das liegt an der Ökonomie des Gehirns, wie uns die  Neurowissenschaft erklärt.
Mit 2% des Körpergewichts verbraucht es 20% der Energie. Um möglichst energieeffizient zu arbeiten, greift es automatisch auf bewährte Interpretations- und Bewertungsmuster zurück, wenn es darum geht, eine Aufgabe zu lösen oder in einer neuen Situation zurechtzukommen. Eine (Überlebens-)Strategie, ein Weg, um das gewünschte Ergebnis möglichst effektiv, mit geringem Aufwand zu erreichen.

Erfolgsstrategie – nur für Erwachsene.
Der Weg des geringen Widerstands führt nun eher selten zu den gewünschten und schon gar nicht zu den bestmöglichen Ergebnissen. 

So wird Holger Johnson, ebuero-Gründer und Vorzeige-Serial-Entrepreneur in “Kopf schlägt Kapital” zitiert: “Ich hasse Gelegenheiten. Sie sind gefährlich.” Oft versprächen sie schnellere Ergebnisse und bringen doch nur kurzfristigen Erfolg (vgl. KsK, 6. Aufl. 2008, S. 74).
Gelegenheiten zu folgen – so “gut” sie auch zu sein scheinen – ist keine Strategie im Sinne eines bewussten Zielerreichungsprogramms.
Gelegenheiten sind Angebote an die Hirnökonomie und an das Belohnungszentrum. Schnelle Erfolge bei geringem Einsatz. Der Begriff “Gelegenheitsarbeit” zeugt vom begrenzten Potenzial ebenso wie der “Opportunist” keinen guten Ruf hat.

Drei Seelen in meiner Brust

ta-okUm mit der Transaktionsanalyse zu sprechen: Gelegenheiten sind Angebote an das Kindheits-Ich. Dieses ist offen, neugierig und experimentierfreudig, es agiert eher spontan und lustbetont (“will jetzt ein Eis”). Es ist die zentrale emotionale Instanz– und damit auch die Instanz, die unsere Entscheidungen beeinflusst. Das weiß die Werbewirtschaft zu nutzen.

Wäre da nicht noch: Das Eltern-Ich – unser innerer Kritiker, Antreiber, Bewertungsautomat und Besserwisser. Es repräsentiert all die Ge- und Verbote, die wir aus der Vergangenheit verinnerlicht haben und prügelt mitunter mächtig auf unsere Emotionen ein. “Du solltest eine richtige Strategie haben”, “Du solltest Deine Ziele konsequenter verfolgen und Dich nicht so häufig ablenken lassen (nicht so oft facebook, online-news etc. gucken)”, “das ist/ Du bist nicht gut genug” “du hast es nicht verdient”.

mindfuck Selbstsabotage vom Feinsten, wie sie Erfolgscoach Petra Bock in ihrem neuen Buch”Mindfuck” bespricht. Der “innere Wächter”, kann durchaus konstruktive Anweisungen geben, man sollte jedoch im Lichte des Erwachsenen-Bewusstseins entscheiden, inwieweit sie sinnvoll, hilfreich und der Situation angemessen sind.

 

Da helfen Fragen wie sie The Work von Byron Katie verwendet:
1) Ist das wahr?
2) Kann ich wirklich wissen, dass es wahr ist? Kann ich ganz sicher sein, dass es wahr ist?
3) Wie reagiere ich, wie fühle ich mich, wenn ich diesen Gedanken denke?
4) Wer oder was wäre ich ohne diesen Gedanken? Wie würde ich mich ohne diesen Gedanken fühlen?

Erfolgsbedingung Belohnungsaufschub

Ziele bewusst und konsequent verfolgen ist eine Funktion des Erwachsenen-Ichs.
Langfristige Strategien, geduldiges Arbeiten an komplexen Dingen, auch wenn Erfolge sich nicht unmittelbar einstellen: das passiert unter der Regie des Erwachsenen-Ichs.
Auch wenn das Kindheits-Ich hier öfter dazwischenfunkt: “Muss das jetzt sein – wollen wir das nicht lieber morgen machen und uns erstmal mit angenehmeren Dingen beschäftigen?”
Das (wache) Erwachsenen-Ich wägt ab und vermittelt zwischen widerstreitenden Impulsen und entscheidet sich “vernünftig”  für eine sinnvolle Aktion (“Zuerst machen wir mal unsere Hausaufgaben, Dein Eis kriegst Du danach”).

Don´t eat the marshmellow.
Anhand eines Experiments mit 4-Jährigen wird die zentrale Bedeutung der Fähigkeit des Belohnungsaufschubs für Erfolg im Leben deutlich:

Interessant, dass sich das Erwachsenen-Ich bereits im frühen Kindesalter entwickelt, mit Vernunft und vorausschauendem Handeln, Verzicht auf Instant Gratification und der Fähigkeit, spontane Impulse zu kontrollieren. Offenbar ist dieses bei den Menschen recht unterschiedlich ausgeprägt.

Fazit: Sollte ich Gelegenheiten nutzen?

Ich meine ja, nach einem Moment der Reflexion, nachdem die inneren Stimmen zu Wort gekommen sind, eine “stimmige” Entscheidung treffen. Passt es zu dem was ich vorhabe im Leben, was mir wichtig ist oder führt es mich auf Umwege, ist es ein zu großer Kompromiss?

Nutzbar und anwendbar sind diese Fragen und Modelle für alle, die an Erfolg interessiert sind und unabhängiger von Zufall und Gelegenheiten werden wollen. Man könnte auch sagen: Alle, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollen.

Für Entrepreneure und Gründer bedeutet es zum Beispiel: Arbeite gründlich an Deinem Geschäftsmodell und zwar bevor Du gründest.
Zum Beispiel mit der 
Walt-Disney-Strategie – hier heißen die drei Instanzen: Der Träumer, der Realist und der Kritiker.
Das Betrachten einer Situation aus unterschiedlichen Perspektiven scheint eine der  
Schlüsselkompetenzen für Erfolg und ein gelingendes Leben. Die Fähigkeit, von der Unmittelbarkeit des Erlebten einen Schritt zurückzutreten und es aus einer distanzierten, breiteren Perspektive zu betrachten. Diese Art Weisheit hat laut Grant-Studie im Alter von 45 Jahren ihren Höhepunkt.
Erkenne dich selbst. Der Rest kommt (fast) von allein (so tituliert Gilbert Dietrich seinen Blog “Geist und Gegenwart”). Dem schließe ich mich gerne an.

Herzliche Grüße von Eurem
Strategieberater