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Prinzip 0.8: Scheitere früh, um schneller zu lernen

Heute morgen um 10:15 Uhr  ist mir eine meiner „Bibeln“, das Buch von Otto Scharmer (Theorie U – Von der Zukunft her führen) in die Hände gefallen und hat mir wie zufällig seine Seite 210 offen präsentiert:

Prinzip 0.8: Scheitere früh, um schneller zu lernen
Bei (…)  Cisco Systems bedeutet Prinzip 0.8, dass, egal wie die Zeitperspektive eines neuen Projektes ist, der erste Prototyp muss nicht funktionieren. Es ist nicht der (marktreife) 1.0 Prototyp. Sondern 0.8 bedeutet, du musst irgendetwas vorlegen, etwas was nicht fertig ist, aber unmittelbar Feedback erhält und so die Verbesserung des nächsten Prototyps beschleunigt.“

Quick and dirty“ – ein Graus für Perfektionisten!
Etwa eine Stunde nach der Lektüre konnte ich das Prinzip 0.8 gleich in der 
Praxis erleben.
Beim Einkaufen im Biomarkt treffe ich eine Bekannte aus früheren Jahren. Wir tauschen uns über Wohnungen und Familie aus. Irgendwann kommt die unvermeidliche Frage: „Und, was machst Du so?“ Natürlich antworte ich so „wie man es macht“ und wie ich es meinen Kunden vermittle, mit einem Satz wie: „Ich helfe Leuten wie Dir, in eine gute Auftragslage und eine kontinuierliche Auslastung zu kommen.“ „Echt, das ist ja interessant…“ So weit so gut. Doch irgendetwas in mir beginnt sich nun zu verkrampfen, ein Gedanke „wie gewinne ich sie jetzt am besten als Klientin?“ lässt das Gespräch in eine Verkaufsschiene münden. Dummerweise ist mein Gegenüber in dem Moment aber gar nicht offen für einen weitergehenden Austausch. Und so kam es, wie es kommen musste: mit einem etwas unguten Gefühl ist das Ende des Gesprächs schnell erreicht.
Das war eher eine 0.4 Version, wie man ihn an einem Samstag Vormittag draufhat…

Wie könnte Version 1.0 hier aussehen?
Nicht verkaufen sondern offen bleiben, für das, was den anderen bewegt und was sich zeigen will. Absichtslos über seinen Service zu sprechen, dem Interessenten das Vertrauen vermitteln, dass es Lösungen und Möglichkeiten gibt, eine kurze Erfolgsgeschichte erzählen. Das ist auch für Marketingberater eine Kunst, die weiter verfeinert werden will.
Die Einsicht – besonders für Perfektionisten – lautet:
Learning by doing, mit Version 0.8, rausgehen, frühzeitig Feedbacks einholen und damit schneller zu 1.0 kommen.

Diese kleine Geschichte ist nun die erste in diesem neuen Praxis-Blog.
Hier sollen Beiträge erscheinen zu Erkenntnissen und Praxisbeispielen aus der Freiberufler- und Unternehmerwelt, die uns inspirieren und dabei weiterhelfen sollen, hilfreiche Dienstleistungen für Menschen verfügbar zu machen und als Anbieter erfolgreich zu sein.
Hilfreiche Dienstleistungen tragen zur Potenzialentfaltung und Lebensqualität bei, dienen idealerweise dem Gemeinwohl und der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen.

Dieser Blog ist u.a. inspiriert von Anthony O. Putman. Sein Buch „Marketing für Ihre Dienstleistungen“ war Mitte der 1990er Jahre meine erste „Bibel“ zu dem Thema. Und MIT-Aktionsforscher Otto Scharmer, mit seiner „Theorie U“ zur Gestaltung nachhaltiger Veränderungsprozesse. Beide liefern einen wertvollen Kontext und nützliche Unterscheidungen für das tägliche Business – wie Prinzip 0.8.
Einige mehr werden wir in den nächsten Beiträgen näher kennen lernen.
Der Blog entsteht gleichzeitig mit meiner neuen Website, die ich mit Hilfe von sukomotion entwickle und im April 2011 auf Sendung geht.